Das Vierbergelaub

Kräuter 2

Dr. Helmut Zwander

Jedem Teilnehmer am Vierbergelauf ist das grüne Büscherl am Vortragekreuz, am Rucksack oder am Hut des Wallfahrers bestens bekannt. Sind es Zauberkräuter, Beschreikräuter oder magische Mitbringsel, die hier gesammelt werden oder ist es einfach eine alte Tradition, die dazu führt, daß jeder beim Hinaufgehen auf einen der vier Berge versucht, die richtigen Pflanzen für sein Vierbergerlaub zu bekommen? Was sind eigentlich die „richtigen“ Pflanzen? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort! Der Wallfahrer, der zum ersten Mal am Vierbergelauf teilnimmt, hält sich beim Sammeln des Pflanzenbüschels einfach an die Gepflogenheit der älteren Teilnehmer, die ihrerseits wieder irgendwann einmal die entsprechenden Arten und die Reihenfolge kennengelernt haben.
Meine Sörger-Gruppe, der ich mich so oft angeschlossen habe, beginnt den Vierbergelauf schon am Donnerstag vor dem Dreinagelfreitag bei der Pfarrkirche in Sörg. Bei der Kirche am Lorenziberg liegen bereits einige Wacholderzweige für den Bedarf der Vierberglergruppe. Mit einigen Ästchen wird auch das Vortragekreuz geschmückt, das ab hier mitgetragen wird. Nach dem Marsch durch St. Veit wird am Nachmittag beim Aufstieg auf den Magdalensberg das Kreuz mit den Trieben des Bärlapps verschönert, wobei der Flach-Bärlapp, den man auch „Krahfuaß“ nennt, besonders begehrt ist.

Am Gipfel des Magdalensberges treffen sich die kleineren Wallfahrer-Gemeinschaften mit der Hauptgruppe der Vierberger. Nach dem mitternächtlichen Gottesdienst erfolgt der gemeinsame Aufbruch – in diesen späten Nachtstunden wird Bärlapp wohl kaum zu finden sein, er ist deshalb ein begehrtes Geschenk der bei Tageslicht angekommenen kleinen Wallfahrergruppen an die große Gemeinschaft. Die meisten Vierberger müssen sich mit einem leicht zu brechenden Fichten- oder Wacholderzweigchen begnügen.
An der Wende von der Nacht zum Tag wird nach der Messe in der Kirche von Pörtschach am Berg der Ulrichsberg erstiegen. Vorher sucht man in der Umgebung des Gotteshauses nach Efeu, der hier reichlich vorkommt und glücklicherweise schon viele Vierbergler-Jahre überdauern konnte. Am Veitsberg kommt zum Strauß ein Fichtenzweig dazu und am Lorenziberg ein Ästchen vom Wacholder. Einige Wallfahrer stecken sich unterwegs auch einen Zweig vom Buchsbaum ins Vierbergebüschel.

Wie kommt es nun gerade zur Auswahl dieser bestimmten Pflanzen und welche Bedeutung haben die einzelnen Arten? Auffallend ist, daß alle verwendeten Gewächse immergrün sind (wintagrean). Diese grüne Farbe ist ein uraltes Symbol des Lebens und des Überlebens. Jahrtausendelang war für den europäischen Menschen das erste Grün nach den dunklen Wintermonaten der Hoffnungsträger für das Wiedererwachen der Natur nach der lebensfeindlichen kalten Jahreszeit. Der grüne Adventkranz, der Christbaum und die Mistelzweige, die wir uns gerne zur Zeit der Wintersonnenwende in unsere Wohnräume holen, entspringen dem Bedürfnis des Menschen nach der Anwesenheit der grünen Lebensfarbe in seiner Umgebung.
Das Sammeln der immergrünen Blätter des Vierbergelaubs auf einer Wallfahrt, die ursprünglich viel mit der Bitte um Flursegen und um eine gute Ernte zu tun hatte, ist wohl aus diesem Zusammenhang heraus zu verstehen. Dazu kommt noch, daß alle erwähnten Arten des Vierbergelaubs eine uralte symbolische Bedeutung besitzen, die weit in das altüberlieferte Verständnis von magischen Pflanzenarten hineinreicht.
Bärlapp
Gesammelt wird der Schlangen-Bärlapp, der Keulen-Bärlapp oder der Flach-Bärlapp (Krahfuaß). Die wintergrüne Bärlapp-Pflanze war bei den germanischen Druiden hochangesehen. Teile davon wurden als Amulette getragen und sollten den Besitzer vor allerlei Schaden bewahren. Die gelblichen Sporen, die in eigenen Sporenähren gebildet werden, kennt man in der Volksmedizin als Hexenmehl. Sie wurden bei Blitzgefahr ins Feuer gestreut oder in der Heilkunde bei Hautkrankheiten wie ein Wundpuder angewendet.
Efeu
Der Efeu ist seit der altgriechischen Pflanzenmythologie ein Sinnbild der unsterblichen Seele des Menschen, ein Symbol der Freundschaft und der Sinnlichkeit. Die immergrüne Farbe der Blätter und die sich der Unterlage anschmiegenden Triebe waren zugleich ein Zeichen der Stärke und des Überlebenwollens, wie auch der Notwendigkeit, in schweren Zeiten einen Halt angeboten zu bekommen. Es verwundert nicht, daß im antiken Griechenland einige Efeuzweige dem jungen Brautpaar überreicht wurden.
Fichte
Die wintergrüne Fichte ist in Form des Weihnachtsbaumes das bekannteste Zeichen des Vertrauens auf ein Wiedererwachen der Natur nach den nachtdunklen Wochen der Wintersonnenwende. Die keltische Tradition des Lebensbaumes als Symbol der Hoffnung und das christliche Bild des Weihnachtsbaumes mit der Geburt Jesu als Zeichen eines Neubeginns in der Beziehung Gottes zum Menschen sind hier innig miteinander verschmolzen. Die Fichte besitzt zudem als Maibaum und als Firstbaum auf dem Dachstuhl eines neuerbauten Hauses eine hohe symbolische Bedeutung. Die Verzweigungsform eines kleinen Fichtenästchens erinnert in seiner Ausbildung an die germanische Lebensrune, das Sinnbild des ewigen Lebens.

Buchsbaum
Der Buchsbaum ist zwar kein heimisches Gehölz, doch wird er seit altersher gerne bei den Bauernhäusern angepflanzt. Mit seinen immergrünen Zweigen ist er ein Symbol der Unsterblichkeit. Wenn mit Hilfe von Buchsbaumzweigen die

Totenbahre besprengt wird oder in den Rauhnächten beim Ausräuchern mit der Räucherpfanne das Weihwasser im Haus verteilt wird, ist hier uralte Symbolik mit christlicher Tradition gemeinsam vorhanden. In der mittelalterlichen Kräutermagie glaubte man, daß vor dem Buchsbaum, der beim Haus wächst, „alles böse gethier ein abscheuens“ hat.
Wacholder
In der Volksmythologie der Alpenländer besitzt der Wacholder eine große Bedeutung. Mit Wacholderzweigen glaubte man, die bösen Geister vertreiben zu können. In Kärnten soll während einer Pestepidemie ein Vogel mit dem Spruch: „Eßt’s Kranebet und Pibanel und ihr werdt’s sterbn nit so schnell“ auf die heilende Kraft des Wacholders aufmerksam gemacht haben. Für die Vierberger von besonderer Bedeutung ist noch der Glaube, daß ein Kranewettbuschn auf dem Hut vor Schwindelanfällen und Müdewerden schützen soll.
Die Weiterverwendung des Vierbergelaubs
Am Ende der Wallfahrt wird das Vierbergelaub natürlich nicht weggeworfen, sondern als besonders wertvolle Erinnerung mit nach Hause genommen. In älteren Zeiten wurde es gerne auf Dachböden aufgehängt oder in den Herrgottswinkel gestellt und sollte mit seiner magischen Kraft das Haus vor allem Unheil beschützen. Heute bekommt das Sträußchen zumindest einen Ehrenplatz in der Wohnung und soll den Vierberger an die schöne Wallfahrt erinnern und zu gegebener Zeit wieder zum Aufbruch mahnen.

 

 

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